Wolfgang Richter

Hugbertstraße 3

A-5020 Salzburg

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GekürzterBeitrag für das Themenheft Ästhetische Erziehung - Konzept und Praxis des Kunstunterrichts

Als Schüler und Lehrer betroffen sein

Blickwinkel auf die Praxis des Kunstunterrichts

Didaktische Perspektiven

Ohne eine fachdidaktische "Erdung" der unterrichtlichen Aktivitäten droht die alltägliche Praxis meiner Meinung nach orientierungslos zu werden. Die Fachdidaktik , die als Teilgebiet der Fachwissenschaft Lehre und Forschung umfasst, kann gesellschaftliche Bedürfnisse hinsichtlich Orientierung und Aufklärung einbringen .Eine wichtige Aufgaben liegt darin, die Lebensbedeutsamkeit eines Faches, entsprechend Wolfgang Klafkis Unterrichtsplanung im Sinn einer kritisch - konstruktiven Didaktik aufzuzeigen (Klafki 1985, S.214 f.).

Was Helmut Hilscher für den Physikunterricht konstatiert, gilt auch für andere Fächer (Hilscher 1990,S.118):

Lernerfolge mit Langzeitwirkung sind nur dann zu erzielen, wenn für den Lerngegenstand Interesse und Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit ihm vorhanden sind. Der Lernende lernt nur, was er lernen will.Mit Notendruck und Prüfungszwängen können gute Scheinerfolge erreicht werden.(...)Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß der seit vielen Jahren heftig, aber ziemlich wirkungslos kritisierte, Lehrer und Schüler erdrückendeStoffumfang zwangsläufig Unterrichtsmethoden fördert, welche unreflektiertes, unverdautes und verständnisloses Auswendiglernen optimieren.

Mein Unterricht ist Teil meiner persönlichen Geschichte. Überlegungen zur Lebensbedeutsamkeit

In der themenzentrierten Interaktion (TZI) stellt Ruth Cohn die These auf, dass sinnvolles Lernen den ganzen Menschen als psychosomatisches Wesen betrifft, und dass jeder Lernvorgang in einer Gruppe fachlich effizienter und persönlich ergiebiger ist, wenn bei folgenden Faktoren, welche die Interaktion in einer Gruppe mitbestimmen, eine dynamische Balance zwischen "Ich" (der Persönlichkeit jedes einzelnen), "Es" (der Sache, um die es geht) und " Wir" (der Gruppe) besteht. Diese Faktoren gruppieren sich um das Thema des Unterrichts. Sie sind eingebettet in das Umfeld der Eingangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen welche die Zusammenarbeit beeinflussen.

Auf der Basis dieser Überlegungen hat der Erziehungswissenschafter Wolfgang Schulz in seinem "Hamburger Modell der Unterrichtsplanung" ein Konzept entwickelt, das als elementare Lernziele "Autonomie und Gefühlserfahrung" (Ich), "Kompetenz und Sacherfahrung" (Es) und "Solidarität und Sozialerfahrung" (Wir) angibt (Schulz 1981,S36 f.)

Entwicklungsmöglichkeiten aus der Sicht der Lehrer

Bei einer Tagung des Bundes österreichischer Kunst- und Werkerzieher (BÖKWE) im Jahr 1993 wurden in einem fachdidaktischen Meinungsaustausch Statements formuliert, was für Schüler einen gelungenen Unterricht ausmacht.

Freude und Lust am Gestalten stellte für viele Kollegen ein wesentliches Kriterium dar, danach wurden das Erfolgserlebnis und persönlicher Fortschritt in der Entwicklung genannt sowie die Motivation,aus eigenem Antrieb (auch über die Schule hinaus) weiterzuarbeiten.Etwas Erhellendes erfahren zu haben, aus dem man neue Kräfte schöpfen kann und eigene Ideen zu entwickeln,bei denen die Grenzen zwischen Spiel und Unterricht, Experiment und Arbeit wegfallen, wurden ebenfalls als bedeutsam erachtet.

Im Umkehrschluß bezeichneten es viele als mißlungenen Unterricht , wo blosse Pflichterfüllung angesagt ist, in der die Schüler keinen persönlichen Sinn sehen und wo man keine eigenen Ideen entwickeln kann.

Was ist Studenten wichtig?

Im Rahmen der Ausbildung für das Fach "Kunsterziehung" an Gymnasien an der Hochschule "Mozarteum" in Salzburg haben Studierende in Seminaren konkrete Anregungen erarbeitet,in denen sie auf der Basis der eigenen Schulerfahrungen als Schüler und aufgrund didaktischer Vorgaben Vorschläge entwickelten, die auf die Eingangsvoraussetzungen Rücksicht nehmen. Daraus fasse ich häufig zur Diskussion gestellte Ideen für einen schülerorientierten Unterricht zusammen:

Die Auseinandersetzung mit der visuellen Kultur sollte demnach beim Schauen viel Raum zum Erleben schaffen und das Kennenlernen des breiten Spektrums menschlicher Phantasie ermöglichen. Die optisch wahrnehmbaren Äußerungen stellen in ihrer Gesamtheit einen Ausdruck innerer Befindlichkeiten und Erfahrungen dar und tragen dazu bei,die Wahrnehmung zu sensibilisieren. In der Beschäftigung mit verschiedenen Weltbildern vollzieht sich der Aufbau eines eigenen Weltbildes, der verbunden ist mit der Einübung von Toleranz. Elementare sinnliche Erfahrung und Empfindung lassen dem Betrachter in seinen ureigenen Zugangsweisen Spielraum für unmittelbare , unverzweckte Beobachtungen und ermöglichen Selbsterfahrungen , die für die individuelle Entwicklung der Persönlichkeit von Bedeutung sein können.

Indem die Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten finden, für sie Bedeutsames zu erfahren und auszudrücken, erhalten sie Anregungen, selbst weiter zu denken, zu schauen und zu arbeiten , eigene Interessen und Ideen einzubringen und so Zugang zu den eigenen kreativen Fähigkeiten zu bekommen.In der Motivation zur selbständigen, autonomenAuseinandersetzung können die Schüler die Wichtigkeit des eigenen Tuns erleben, aus Fehlern lernen und Kunst als Potential erfahren, die Lebensqualität zu erhöhen.

Aller Tätigkeit sollte bei der Vermittlung von theoretischem und praktischem Wissen ein "feiner Anspruch" zugrunde liegen. Durch das Bereitstellen und Einüben von Argumentationshilfen und -strategien können die Schüler lernen,in Diskussionen begründete Positionen zu vertreten .In der Auseinandersetzung mit optischer Hoch- und Alltagskultur soll auch die Kritikfähigkeit gegenüber Kunst geschult werden.

Schüler wie Lehrer sollen Freude haben an der gemeinsamen Arbeit.

In der Aufbereitung von "anderen" Unterrichtssituationen liegt die Chance,ein angenehmes Lernklima zu schaffen, bei dem Anschaulichkeit oberstes Gebot ist.

Gerade die aktuelle schulpolitische Diskussion zur Schulautonomie , die in Österreich den Gestaltungsspielraum der Schulen beträchtlich erweiterte und flexibler gestaltete, liefert für eine derartige Entwicklung eine hilfreiche Perspektive,um Kompetenz, Autonomie und Solidarität bei den Kindern und Jugendlichen zu fördern. Den Beitrag, den eine ganzheitliche ästhetische Erziehung für sinnvolle Lernerfahrungen im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung leisten kann, schätze ich hoch ein.

Hilscher,Helmut:Ineffizienz des Physikunterrichts.In: In: Zenner, Maria(Hg.):Fachdidaktik zwischen Fachdisziplin und Erziehungswissenschaft.-Bochum 1990.

Klafki, Wolfgang:Zur Unterrichtsplanung im Sinne kritisch-konstruktiver Didaktik.In :ders:Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Beiträge zur kritisch-konstruktiven Didaktik.-Weinheim und Basel 1985.

Schulz, Wolfgang:Unterrichtsplanung.Mit Materialien aus Unterrichtsfächern.3.erw.Aufl.-München Wien Baltimore 1981.

Wolfgang Richter, Dr.(Jg.1953),Gymnasiallehrer in Salzburg, Lehrbeauftragter an der Hochschule "Mozarteum",Abt. Kunsterziehung in Salzburg. Hugbertstraße 3, A-5020 Salzburg